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Heimatblätter I

 

Die "Bubenreuther Heimatblätter" erscheinen in unregelmäßigem Abstand. Hier einige Kostproben....

 

Kleiner Ort erhielt Anschluss an die Welt

- Heinz Reiß -

 

Genau vor 100 Jahren, am 1. Oktober 1897, eröffnete die Königliche Eisenbahngesellschaft an ihrem im Jahre 1844 eingeweihten Schienenstrang am Ort Bubenreuth einen Haltepunkt, die sogenannte "Station V. Klasse für die Abfertigung von Personen, Reisegepäck, Hunden und Kleinvieh."

Die erste Fahrt auf der Strecke Nürnberg - Bamberg fand am 25. August 1844 statt. In den 53 Jahren seit der ersten Fahrt war der landwirtschaftlich geprägte Ort nicht untätig. Bürgermeister und Gemeinderäte bemühten sich, eine Haltestation zu bekommen, mussten doch auch zahlreiche Bubenreuther Bürger zum Bau des Schienenstranges Grundbesitz abtreten. Bürgermeister Johann Konrad Weisel (*24.10.1835 + 8.7.1907) stellte mit seinem Gemeinderat in den Jahren 1891 und 1895 Anträge auf Errichtung eines Bahnhofes in Bubenreuth. Die Königliche Eisenbahngesellschaft lehnte die Gesuche "wegen nicht ausreichender Bedürfnisse" schlichtweg ab. Erst Bürgermeister Mathäus Zeitner (*1837 + 1917) gelang es, die Bahnoberen zu überzeugen, den Zug auch in Bubenreuth halten zu lassen. Am 1. Oktober 1897 standen bestimmt der ganze Gemeinderat und zahlreiche Bubenreuther Bürger an der Bahnstrecke, um das Ereignis gebührend zu feiern. Bürgermeister Mathäus Zeitner ließ nicht locker; bereits im Jahre 1890 stellte er ein Gesuch um "Herstellung eines Freiladegleises", das jedoch aus verschiedenen Gründen abgelehnt wurde.

Mit Hilfe der Nachbargemeinden Möhrendorf, Atzelsberg, Kleinseebach und Ratsberg bat man im Jahre 1901 das königlich bayrische Staatsministerium wiederum "um Herstellung eines Freiladegleises in der Station Bubenreuth". Zahlreiche Begründungen wurden aufgeführt, landwirtschaftliche Güter wären zu verladen, Stückgut wollte man beziehen, aber alle Begründungen reichten nicht aus, um ein Freiladegleis zu erhalten. In seinen letzten Amtstagen als Bürgermeister war es Mathäus Zeitner dann doch noch vergönnt, einen Teilerfolg zu erreichen. Am 1. Juni 1904 wird ein "beschränkter Stückgutverkehr" eingeführt. Ein Freiladegleis sollte Bubenreuth trotz Ansiedelung der Schönbacher Geigenbauer bis heute nicht erhalten. 1954 trug Bürgermeister Senator Hans Paulus an die Bundesbahndirektion die Bitte heran, den Bahnhof zu modernisieren und den als Güterschuppen dienenden ausrangierten Güterwaggon zu entfernen. Das Gebäude wurde daraufhin modernisiert.

Heute nach 100 Jahren ist der Bahnhof Bubenreuth wieder im Gespräch. Die Tage, an denen er mit einem Schrankenwärter besetzt war, endeten am 21.7.1989 mit der Einweihung der Unterführung. Wenn die Signalsteuerung von Nürnberg bis Forchheim durchgeschleift ist, wird auch der derzeitige Bahnwärter nicht mehr besetzt werden.

Noch mehr Sorgen über die Zukunft des Bubenreuther Bahnhofes bereiten die ICE-Trassenpläne der Deutschen Bahn AG. Der viergleisige Ausbau wird auch seine Spuren am Bubenreuther Bahnhof hinterlassen.

- aus Heft 1/ 1997 -